Sammlung

Februar 1st, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Was wir sehen? Bräunlich gefleckte Tapete, die sich von der Wand löst, die Flecke könnten an alles Mögliche erinnern, wenn man nur genug Phantasie hat. Sie könnten an Figuren aus dem Rorschach Test erinnern, die wiederum einen Schmetterling, eine Vase, oder eine nackte Aphrodite abbilden könnten.
Gegenüber dem Eingang ein Fenster, man sieht die schweren grünen Gardinen, die aus dem pompösen Kleid eines Theaterfundus geschnitten wurden, man erkennt noch die feinen Löcher, in denen eine Naht die Spitzenborte gehalten hatte.
« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Windstille

Februar 1st, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Er hat einen Platz beim Springbrunnen zugewiesen bekommen. Einer anderthalb Meter hohen und einen Meter breiten Säule, deren Spitze eine offene Muschel bildete, aus der das Wasser wie aus einer Regenrinne in ein kleines Becken hinunter rieselte. Sein Platz, das war ein kleiner Tisch, etwas unbedarft von einer Auszubildenden dekoriert, darauf eine Flasche Wasser und ein Pappaufsteller in DIN A4 Größe, auf dem neben seinem Photo in goldenen Buchstaben zu lesen war:
MAX MILLI UNTERSCHREIBT FÜR SIE!
« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Liebe lieber elitär

November 2nd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Liebe Lieber Elitär. In unserer letzten Folge sind liebeshungrige Lustmolche und schwerfällige Schmalzbegierige, überforderte Fünffachmütter und posttraumatische Psychologen aufeinander getroffen. Sie alle suchen nach dem großen Glück, nach der großen Liebe und wir sind mit dabei, um ihnen dabei unter die Arme zu greifen. In der heutigen Folge begleiten wir ein Paar, dem zum Glück nur die Liebe fehlt, und die könnte schon bald in Erfüllung gehen.
« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Häkeln

November 2nd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Und wenn sie sich auf den Kopf stellt, sie kriegt es nicht hin. Häkeln ist ihre Sache nicht, auch nicht Stricken und nicht Nähen. So sehr sie es will, immer fallen die Maschen raus, die Nadeln piksen in die Finger, die Naht wirkt wie die Spur eines Betrunkenen, der durch die Straße schwankt. Kochen kann sie, aber das bringt nichts. Großmutter kann nicht zu ihr zum Essen kommen, und sie kann nicht kochen dort, wo Großmutter ist. In Großmutters Wohnung wimmelt es von warmem dunklem Holz, und auf beinahe jeder Ablage, sei es Tisch, Kommode oder Regalbrett, liegt ein gehäkeltes oder gestricktes Tüchlein, ein besticktes Deckchen oder ein geknoteter Untersetzer.
“Mach doch mal sowas”, hatte ihre Mutter gesagt, “mach doch mal was Gehäkeltes.”
« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Fremdwort

November 2nd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Er schwitzt. Vielleicht bemerken das die anderen nicht, so hofft Bernd, aber er selbst merkt es. Er schwitzt, und bald werden sich auf seinem Gesicht kleine Tröpfchen bilden und dann hinunter kullern, vielleicht bleibt eines auf seiner Nasenspitze hängen, das wäre furchtbar. Schon bei den einfachen Fragen fing das an.
Was steuern Verliebte oft an? A: Kinderstadt B: Steuerbahnhof. C: Ehehafen. D: Scheidungsweg.
« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Ertappt

November 2nd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

„Ist das schön! Ist das nicht schön?“
Er nickt.
„Ja, das ist schön.“
„Und das Essen? Hat es dir geschmeckt?“
„Sehr gut.“
Sie lächelt zufrieden und läuft in die Küche, um Kerzen zu holen. So schön ist es, da müssen ja Kerzen auf den Tisch. Er war ja etwas abwesend in letzter Zeit, sie hatte sich schon Sorgen gemacht. Immer später kam er nachhause, das kam ihr schon verdächtig vor. Man hört ja so einiges. Von Inge zum Beispiel.
„Hast du schon gehört?“
« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Nicht schlimm

November 1st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Das macht nichts, ist nicht schlimm. Die kleine Schramme – tut nicht weh. Dieser blaue Fleck hier? Hingefallen, merkt sie kaum noch. Sie ist so ein Tolpatsch, immer stößt sie sich irgendwo, immer lässt sie Gläser fallen und schneidet sich an den Scherben. Am Rücken? Das ist vielleicht eine Geschichte, fast schon komisch, fast schon peinlich, ja.
« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Starting a religion

November 1st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Glaube scheint zu den Bedürfnissen der menschlichen Spezies zu gehören. Menschen glauben an die Wissenschaft, an Geld, an Außerirdische, Wunder und Engel. Sie glauben anderen Menschen, die ihnen erzählen, sie seien Propheten und hätten in der Jauchegrube hinter dem Haus die neuen Gebote gefunden. Mit dem Bedürfnis der Menschen nach Glauben, lässt sich nebenbei ein hübsches Sümmchen verdienen. Hier einige Tipps zur Gründung einer neuen Religion:
« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Frau Niederkammer (Romanauszug)

November 1st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Frau Niederkammer hat es am liebsten von hinten. Frau Niederkammer hat es am liebsten, wenn Herr Jankowitsch es ihr von hinten macht. Zumindest sagt sie das. Sie sagt, Herr Jankowitsch sei besser als Herr Meier, Herr Solinger und Herr Steiger. Das sagt sie zu Herr Jankowitsch und ich weiß, er glaubt ihr – ich tue es. Denn ich sehe es. Ich sehe wie Frau Niederkammer die Tür öffnet, wie sie die Lippen öffnet, wie sie die Augen öffnet. Herr Jankowitsch kommt dienstags. Dienstags sind ihre Augen am weitesten geöffnet.
« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Quid pro Quote

Februar 18th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

„…Da hab’ ich was Eigenes!
Da hab’ ich mein Jodeldiplom.…“

Ich, Frau, hab es verdödelt. Das Thema ist es ja in den Zeiten heutiger Kommunikationseile alter Käse. Andererseits – alter Käse war es ja schon vorher. Außerdem lasse ich mir als Frau doch das Jodeln nicht verbieten! Es heißt ja immer noch: Kinder und Fische haben keine Stimme. Zumindest da, wo ich herkomme.
Frauen also. Genauer: Frauen in Führungspositionen. Gibt es. Meine Tante Regine zum Beispiel hatte schon immer die Führung in ihrem Haus. „Lass das“, sagte sie ihrem Mann immerzu. „Mach dieses“, „Mach jenes“ und „Was machst du denn da?!“. Ach so, nicht im Haushalt? Wie, der gilt immer noch nicht als Arbeitsplatz? Ach, nur für die Hausfrau im eigenen Haus nicht? Wenn eine fremde Person in meinem Haus kocht, putzt, die Kinder erzieht und einkauft, dann ist es etwas anderes, dann ist es Arbeit, ach so. Na ja, zumindest ist das Schlafzimmer kein Arbeitsplatz, das gehört ganz mir. Ach, es ist ein Arbeitsplatz? Da geht jemand für Geld meinen ehelichen Pflichten nach? Hmm…
« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.