zwischenworte

Handgeschrieben

Staub

Ich lag halb auf dem Sofa und las ein Buch. Hin und wieder nippte ich an meinem Weißwein.
Es war ein schöner Tag, aber das Buch stimme mich traurig. Vielleicht als Resultat davon, fing mein Inneres an zu knurren.
Es machte schon immer laute Geräusche, ganze Welten lebten darin. Singende Sägen, ein klappernder Storch, knarrende Dielen, so etwas eben. Diesmal war es anders.

In mir explodierten Bomben. Ich hörte, wie sie einschlugen. Nicht das Pfeifen, bevor sie den Boden berührten, es war die Explosion, die Wucht der umher fliegenden Partikel. Ich hatte nie Bomben fallen gehört, außer in Fernsehen, doch das Geräusch war eindeutig. Langsam verhallte es.
Dann kamen die Maschinengewehre; sie schossen kurze Salven ab, abgehackt und unerbittlich. Eine weitere Bombe fiel, Gebäude stürzten zusammen. Ich sah, wie jemand gebückt über den Platz lief, schemenhaft zu erkennen inmitten der Wolken aufgewirbelten Staubs. An der Oberfläche, wo die Sonne auf die feinen Partikel traf, leuchtete er kupferfarben, fast golden… ein Heiligenschein für diese unheilige Stätte.
Irgendwann kamen die Schüsse nur noch vereinzelt. Nach einiger Zeit schließlich legte sich der Staub und ich erhob mich vom Sofa.
Es war der 15. Mai 2012 und der Krieg verlangte nach Nahrung.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. April 2013 von in Miniatur, Prosa und getaggt mit .
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