Tomaten auf den Ohren

Februar 3rd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Seit geraumer Zeit passiert es mir, dass ich vor dem Gemüsefach stehe und überlege, welche Tomaten ich kaufen soll. Die Auswahl fällt schwer. Nehme ich die, die nach nichts ausehen für 2.29 das halbe Kilo oder die, die nach was aussehen für 2.49 das Viertelkilo? Vielleicht dann doch keine Tomaten? Oder eben Tomaten für die Ohren, denn im Gegensatz zu Tomaten, die laut dem Statistischen Bundesamt innerhalb des letzten Jahres um 50% im Preis gestiegen sind, sind Hörbücher um 20% billiger geworden. Juhu!
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Zu

Februar 1st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich hatte kürzlich das Vergnügen eine neue Bekanntschaft zu schließen, und zwar mit einer Pariserin, die sich vor einpaar Jahren in Berlin angesiedelt hat. Eines Abends saßen wir auf meinem Balkon, tranken Wein und trällerten über Gott und die Welt. Es war ein sehr angenehmer, langer Abend, und ich war froh, endlich einen Menschen aus Frankreich kennen gelernt zu haben, dessen Akzent der Verständigung nicht im Wege stand.
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Nicht vom Beckenrand springen (Mal wieder Sommer)

Februar 1st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Hitze macht natürlich jedem zu schaffen, und alle laufen herum und sagen: so heiß war´s hier ja noch nie! Menschen nämlich, so meine These, entwickelt während einer der hitzebedingt schlaflosen Nächte, haben kein Wettergedächtnis, oder Temperaturgedächtnis, wie es in der Pflanzenwelt heißt. So, wie man auch kein Schmerzgedächtnis hat. Wenn es warm ist, können wir uns gar nicht so richtig vorstellen, wie sich gerade Minus 10 Grad auf der Haut anfühlen würden, ist es kalt, können sich einige von uns durchaus durch Überzeugungskraft, Atemtechniken, Endorphinausschüttung begünstigende Gedanken oder mehrere Tierfelle einwenig wärmen, doch grundsätzlich gilt auch hierfür das Phänomen des meteorologischen Kurzzeitgedächtnisses.
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Neues Jahr, neues Glück

Februar 1st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Silvester steht vor der Tür. Das heißt Lärmbelästigung, Komasaufen und gefährliche Körperverletzungen. Man muss sich aber nicht vor die Tür trauen, um an einer anderen Neujahrstradition teilzunehmen: den guten Vorsätzen. Spätestens beim Pling der Gläser, nachdem man wie ein Horde Hooligans im Stadion brüllend rückwärts gezählt hat und sich sagt, dass man so betrunken ja gar nicht sein kann, wenn man noch bis 10 zählen kann, spätestens nach dem Küsschen Küsschen und dem ersten, elenden Zischen einer fehlgezündeten Feuerwerksrakete, denkt man sich aus, was man im neuen Jahr alles machen, nicht machen, besser machen will. Man will das Rauchen aufgeben, öfter Mama besuchen, netter sein zu den Kollegen, lieber sein zu dem Lebenspartner, abnehmen, Sport treiben, mehr lesen, mehr Bio und weniger Stress. Und spätestens am übernächsten Tag sind wir wie Charlie Brown, der trotz besseren Wissens losrennt, in der Hoffnung, den Football diesmal kicken zu können. Doch – quell surprise – es kommt anders, sprich: es bleibt alles beim Alten. Wäre die Möglichkeit größer, die Vorsätze tatsächlich einzuhalten, wenn es sich dabei nicht um „gute“ handelte? Ich bin noch keiner Person begegnet, die voller Inbrunst beim neujährlichen Anstoßen eröffnet hätte, dass sie zukünftig fetter und egoistischer werden will. Allerdings passiert das auch ohne den Wunsch oft genug.
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Feste feiern und sie fallen sehen

Februar 1st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Heilig Abend ist das Fest der Liebe, der Familie und des sich Vollstopfens – und nach dem Essen wird traditionell gestritten. Genug getrunken hat man dafür ja. Es ist das Loslassen der Haltergriffe und das Herunterrasen auf der Sprungschanze, immer schneller, immer tiefer. Der erste Weihnachtstag ist dazu da, auszuschlafen, der Kater wetzt seine Krallen an des Herrchens Kopf und seinem aufgedunsenen Bauch, manchmal auch am Pullover, den er am Abend zuvor erhalten hat.
Was tun gegen den Kater? Ihn zu ferneren Verwandten oder zu Freunden schleppen und dort ertränken. Der Springer ist in der Luft, schwebt zwischen dem Gestern und dem Morgen, überall nur Weiß, die Stimmen undefinierbar. Am zweiten Weihnachtstag kommt der Springer auf, doch statt des Jubels – Stille. Im Hintergrund flackern Fernsehbildschirme. Kalt ist es und der Körper schwer. Ausbremsen, langsam ausgleiten, da vorn ist die Begrenzung, die will man nicht überschreiten. Am zweiten Weihnachtstag wird ausgeruht. Denn das nächste Fest kommt bestimmt, und mit ihm der nächste Fall.

Manierlich

Februar 1st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Es gibt so Tage, da hat man das Gefühl, die Welt geht vor die Hunde. Die Jugend pöbelt nicht mehr nur, sondEs gibt so Tage, da hat man das Gefühl, die Welt geht vor die Hunde. Die Jugend pöbelt nicht mehr nur, sondern schlägt zu, Mädchen laufen herum wie kleine Nutten und auf offener Strasse wird stolz Alkohol konsumiert, längst nicht mehr nur von eingepissten Pennern. Doch horch! Gerade in Situationen, die es ermöglichen würden, seine Wut herauszuschreien oder die gute alte Ohrfeige zu verteilen, schrecken wir zurück.Wir sind nicht Ohr, sondern nur noch feige.
Jemand tritt mir auf den Fuß, genauer auf den schlimmen Zeh, und der Schmerz durchzuckt mich wie ein Blitz. Und den Blitz schicke ich weiter an jenen gefühlten Tausendtonner, der sogleich „Entschuldigung“ murmelt. Dabei ist in seinem Gesicht nirgendwo ein Schuldgefühl zu entdecken, nirgends ein Hauch von Reue. Ich könnte meinen Zeh, ja, den ganzen Fuß verlieren, ich sollte mir seinen Namen notieren, auf dass er meine Krankenhausrechnung bezahle, ich könnte ihm einen linken Haken verpassen, Auge um Auge, Zeh um Zahn. Doch was mache ich? Mit zusammengebissenen Zähnen lächle ich ihn irre an und sage: Macht nichts.
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