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		<title>Sammlung</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 01:00:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zwischen-agnieszka</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunz]]></category>

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		<description><![CDATA[Was wir sehen? Bräunlich gefleckte Tapete, die sich von der Wand löst, die Flecke könnten an alles Mögliche erinnern, wenn man nur genug Phantasie hat. Sie könnten an Figuren aus dem Rorschach Test erinnern, die wiederum einen Schmetterling, eine Vase, oder eine nackte Aphrodite abbilden könnten. Gegenüber dem Eingang ein Fenster, man sieht die schweren [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=zwischenworte.wordpress.com&amp;blog=19651293&amp;post=92&amp;subd=zwischenworte&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was wir sehen? Bräunlich gefleckte Tapete, die sich von der Wand löst, die Flecke könnten an alles Mögliche erinnern, wenn man nur genug Phantasie hat. Sie könnten an Figuren aus dem Rorschach Test erinnern, die wiederum einen Schmetterling, eine Vase, oder eine nackte Aphrodite abbilden könnten.<br />
Gegenüber dem Eingang ein Fenster, man sieht die schweren grünen Gardinen, die aus dem pompösen Kleid eines Theaterfundus geschnitten wurden, man erkennt noch die feinen Löcher, in denen eine Naht die Spitzenborte gehalten hatte.<br />
<span id="more-92"></span><br />
An der rechten Wand, vom Eingang aus gesehen ein Schreibtisch, der wie die abgedankte Arbeitsplatte eines Zimmermanns aussieht. In der linken Wand steckt die Tür, die aus diesem Raum hinaus führt. Um die linke Ecke eine weitere Tür, diese führt zu der Sanitäranlage. Daneben ein kleiner Nachttisch, ein naher Verwandter des Schreibtisches &#8211; die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen &#8211; darauf eine matt leuchtende Pyramide. Neben dieser das Bett. Zwei mal anderthalb Meter, eine Federung, die an das Lächeln eines Neunzigjährigen erinnert, ein Überwurf aus den Resten des grünen Königinnengewandes auf dem Treibsand der Matratze.<br />
Was wir hören? Ein schmatzendes Geräusch, als die Tapete darüber sich immer weiter nach unten beugt und wie eine fleischfressende Pflanze ihre Blätter um einen Kopf schließt. Dieser Kopf ist Teil eines Körpers, der in diesem Moment auf dem Bett sitzt. Es ist mein Körper.<br />
Ich kennen diesen Raum, besser als ich mich kenne, ich höre jedes Geräusch und weiß alle mittlerweile zu identifizieren, fremde, von mir zum ersten Mal vernommene Töne verursachen bei mir ein nervöses Zucken und blasen sich auf, bis sie alles andere aus meinem Kopf verbannt haben; in solchen Momenten ist es als wäre ich allein inmitten einer unberührten Schneewüste, ich strebe, ich giere nach dem unbekannten Ton, meiner Fata Morgana. Nach einiger Zeit nehme ich die bekannten Geräusche kaum mehr wahr, sie zerschmelzen zu einem Rauschen, während ich auf dem Bett sitze, über mir die Papierkrallen, und mein gesamter Körper, die feinen Härchen darauf, strecken sich wie Satelliten in die Höhe, bereit, jede unbekannte Schallwelle einzufangen. Es geht aber keineswegs nur um die akustische Befriedigung, sie ist nur der Auftakt zu einem antiken Drama, einer Zirkusvorstellung, einer ohrenbetäubenden Oper, einer absurden Performance. Du hörst den Ton, du erkennst den Rhythmus, die Melodie, dann schließt du deine Augen und siehst sie, die Gegenstände, die das Geräusch verursachen, die Personen, die Lebewesen; du siehst sie und du kennst sie.<br />
Was wir in diesem Moment hören, ist das Tropfen eines Wasserhahns. Dieses Geräusch begleitet mich seit ich hier wohne, es ist unvergleichlich, weil die Person, die dafür verantwortlich ist, unvergleichlich ist. Das Tropfen ereignet sich im Badezimmer der Wohnung, die sich hinter meinem Bad befindet. Die Frau, die dort wohnt, eine schmale Blondine in den Dreißigern, leidet unter Neurodermitis, sie verlässt selten ihre Wohnung. Ich stelle mir vor, wie ihre Hautschuppen, gleich dem Ariadnefaden, ihren Weg nachzeichnen, wenn sie sich in der Dunkelheit hinaus stiehlt. Ich stelle mir vor, dass sie ihre Nächte in exklusiven Räumen voller hauchdünner weißer Stoffe verbringt, zwischen denen sich Gleichgesinnte gegenseitig häuten, indem sie sich lüstern aneinander reiben. Hinter meinen geschlossenen Augen sehe ich, wie sie in der Morgendämmerung, leise wie eine Schneeflocke, den Flur entlang gleitet und die Tür zu ihrem Appartement aufschließt, ich sehe die Knochen in ihren Handgelenken, wenn sie den Schlüssel umdreht. Dann geht sie ins Badezimmer und lässt den Tropfen aus dem Wasserhahn eine Sturmflut folgen. Sie wäscht sich alle anderthalb Stunden, zwei Mal am Tag putzt sie ihre Wohnung. In der übrigen Zeit ist das Einzige, was ich aus der Wohnung vernehme, das Tropfen des Wasserhahns.<br />
Ein anderes Geräusch, das ich regelmäßig wahrnehme, kommt von der mir abgewandten Seite der Tür. Es ist ein behäbiges Klopfen, verursacht durch die Hand meines Nachbars auf der anderen Seite, hinter der Wand, an die sich mein alternder Schreibtisch klammert. Die Hand, die an meine Tür klopf, ist ebenfalls alt, gezeichnet von violetten Flüssen, die sich knapp unterhalb der Haut aufbäumen, auf dieser Landschaft zeichnet sich eine weitere ab, Farbflecken, die sich wie eine Tätowierung in die Haut eingerieben haben und nicht mehr abzuwaschen sind. In seiner Wohnung riecht es nach Schweiß und Terpentine, das dürftige Mobiliar und die Leinwände, die den meisten Platz für sich beanspruchen, sind überdeckt von einer feinen grauen Schicht, die fast wie der Flaum auf dem Kopf meines Nachbars aussieht, unter dem Tuch, das er ab und zu hinunter zieht um sich damit das Gesicht abzuwischen. Seine Haare haben sich einfach geweigert wieder zu sprießen, obwohl es hieß, dass der Boden wieder fruchtbar sei, auch die Schmerzen haben nicht nachgelassen, zumindest behauptet er es. Wenn man genauer hinschaut, sieht man unter der farbigen Öllandschaft auf seinen Händen die Löcher, die er mit einer Nadel in die Krampfadern gegraben hat. Ich höre das Klopfen an meiner Tür, drei langsame Schläge. Er weiß, dass ich ihn nicht hinein bitten werde, er schlurft wieder in seinen Raum, den ich kurz darauf betrete, so, wie wir es verabredet haben. Er zeigt mir ein neues Gemälde, noch feucht und klebrig wie ein Neugeborenes, seine Finger zittern und ich weiß, dass er sich gleich ins Badezimmer zurückziehen wird, damit ich sein Kunstwerk in Ruhe betrachten kann, damit er das Zittern aus seinem gebrechlichen Körper mit einem weiteren Stich in den Handrücken verbannen kann. Ich stelle mir vor, er ist ein Archäologe, der in seinem eigenen Körper nach einem Schatz gräbt, immer versucht neue Plätze in dem Areal zu finden, in die der Spaten, die Harke, noch nicht eingedrungen sind, in der Hoffnung, dass dieses der Ort ist, der der langen Suche ein Ende macht, der Ort seiner Erleuchtung. Ich stelle mir seinen Körper vor, eine Ausgrabungsstätte, eine ehemals ebene Landschaft, die nun von Schluchten, Hügeln aufgeschütteter Innereien übersät ist. Das Gemälde, das er mir zeigt, sieht aus wie die anderen, die ich gesehen habe, wie all die, die in den Ecken seines Museums unter der Staubdecke schlummern, wie die Bruchstücke einer prähistorischen Vase, die auf den letzten Splitter warten, um sich endlich zu einem Ganzen fügen zu können. Ich stelle mir vor, wie sie flüstern.<br />
Ich  höre all die Bruchstücke dieses Hauses, seit vielen Jahren, ich hörte den Mann über mir, für den alles Fleisch war, wie er stöhnte unter dem Gewicht der stählernen Stange, die er an seine gewölbte Brust drückte. Ich hörte seinen letzten Atemzug, der aus dieser Brust entwich, als sein Körper dem Gewicht, das er sich auferlegte, nicht mehr standhalten konnte.  Jetzt wohnt in diesem Appartement eine junge Frau, die Tag für Tag ihre eigene Arie zum Besten gibt, ich stelle sie mir in einem zerrissenem Kleid vor, wie sie nach ihrem Geliebten sucht, wie sie ihre Verzweiflung in das Husten hineinlegt, das sie immer wieder erschüttert, bevor es in Weinen übergeht. Dann kommt die Metamorphose, aus dem Weinen wird Singen, ich fühle den Rhythmus, ich höre wie sie unzusammenhängenden Sätzen eine Melodie verleiht, an die sie sich klammern kann, bis sich ihre Stimme bricht und das Husten sie wieder wie ein Kokon umwickelt.<br />
Ich höre das gespielte Stöhnen der Frau in der Wohnung unter mir, ich höre das echte Stöhnen ihrer Freier. Ich sehe, wie sie einmal die Woche das Fenster aufreißt, wie sie sich hinauslehnt, um den Duft der Freiheit einzuatmen, von der sie nur ein Schritt trennt, ich höre, wie sie das Fenster wieder schließt, behutsam, wie eine Schachtel mit Erinnerungen drin.<br />
Ich sammle diese Geräusche, ich sammle und katalogisiere sie, wie die Bruchstücke eines untergehenden Reiches. </p>
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		<title>Windstille</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 00:50:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zwischen-agnieszka</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er hat einen Platz beim Springbrunnen zugewiesen bekommen. Einer anderthalb Meter hohen und einen Meter breiten Säule, deren Spitze eine offene Muschel bildete, aus der das Wasser wie aus einer Regenrinne in ein kleines Becken hinunter rieselte. Sein Platz, das war ein kleiner Tisch, etwas unbedarft von einer Auszubildenden dekoriert, darauf eine Flasche Wasser und [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=zwischenworte.wordpress.com&amp;blog=19651293&amp;post=86&amp;subd=zwischenworte&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er hat einen Platz beim Springbrunnen zugewiesen bekommen. Einer anderthalb Meter hohen und einen Meter breiten Säule, deren Spitze eine offene Muschel bildete, aus der das Wasser wie aus einer Regenrinne in ein kleines Becken hinunter rieselte. Sein Platz, das war ein kleiner Tisch, etwas unbedarft von einer Auszubildenden dekoriert, darauf eine Flasche Wasser und ein Pappaufsteller in DIN A4 Größe, auf dem neben seinem Photo in goldenen Buchstaben zu lesen war:<br />
MAX MILLI UNTERSCHREIBT FÜR SIE!<br />
<span id="more-86"></span><br />
Darüber hinaus hatte er an der Eingangstür im Erdgeschoß einen Zettel kleben gesehen, ebenfalls DIN A4, der auf den besonderen Gast aufmerksam machen sollte.<br />
Als er ankam, waren seine Augen immer noch verquollen, trotz der Flasche Bier, die er eine Stunde zuvor, gegen den Kater getrunken hatte, und trotz des Kaffees, den ihm ein junges Mädel im blauen Kittel gebracht hatte – vielleicht dasselbe, das die Goldbuchstaben auf sein Photoschildchen geklebt hatte – und der überwiegend nach Zucker schmeckte. Die ersten zehn Minuten behielt er die Sonnenbrille an, zog dafür das zerknitterte Jackett aus, in dem er unter der grellen Deckenbeleuchtung zu schwitzen anfing. Zuerst fand er den Platz angenehm, das Wasser des Brunnens schien etwas Kühle zu spenden, aber nach einer halben Stunde fing das Geplätsche an, ihm auf die Nerven zu gehen. Vielleicht war es aber auch die Paarung vom Wasserplätschern und dem Gequicke der Kleinkinder, die sich gegenseitig mit Wasser bespritzten, ungeachtet der monotonen Aufforderungen der jungen Mütter, die alle denselben Friseur aufzusuchen schienen, der augenscheinlich eine Vorliebe für blonde Strähnchen und den früheren David Bowie hatte. Die erste halbe Stunde hatte Max kaum Beschäftigung, eine etwa fünfzigjährige Frau in engen Lederhosen war an seinen Tisch herangetreten, und mit einem Goldzahnlächeln und krächzender Stimme nach einer Autogrammkarte verlangt.<br />
&#8222;Sieht ja ganz anders aus!&#8220;, kommentierte sie das Photo auf der Karte, das einen um fünfzehn Jahre jüngeren Milli zeigte.<br />
&#8222;Schon mal in den Spiegel geguckt?&#8220;<br />
Sie drehte sich augenblicklich um und verschwand in einem Geschenkladen, die Karte nahm sie mit. Max zeichnete einen Strich auf die Papiertischdecke. Zwei weitere Striche kamen etwa eine Dreiviertelstunde später hinzu, als zwei Jugendliche nach einem viertelstündigem Ritual, das Fingerzeige, Lacher und Gesichtsentstellungen, sowie Luftgitarre-Spielen beinhaltete, sich endlich an seinen Tisch trauten.<br />
“Sind die auch was wert?” fragte der größere der beiden und wedelte mit einer der Autogrammkarten hin und her, als wollte er eine lästige Fliege verscheuchen.<br />
Max starrte auf den Pickel, den der Junge mit dem Makeup seiner Schwester unbeholfen zu kaschieren versucht hatte, der aber unbeeindruckt auf seiner Stirn weiter wucherte und sich den Weg auf die Sonnenseite frei bahnte.<br />
“Das ist relativ”, sagte Max und wünschte sich, in der Wasserflasche auf seinem Tisch würde ein großer, fetter, alkoholdurchtränkter Wurm herum schwimmen. Aber der Wurm steckte woanders drin.<br />
“Bist du ein Schauspieler, oder was?”<br />
Ohne seine Antwort abzuwarten, fingen die Jungs an, sich mit ausgedachten Filmtiteln zu übertrumpfen, in denen man ihn, Max, vielleicht schon mal gesehen haben könnte.<br />
“Max Milli&#8230;klingt wie´n Pornoname.” Voller Stolz reihte der kleinere Bursche sich in das Lachen des größeren ein.<br />
“Mh, Milli&#8230;” stöhnte dieser und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. ”Milli Vanilli!” Die beiden kriegten sich kaum noch ein, obwohl nicht einer der Lacher echt wirkte. Max hatte die Schnauze voll. Er beugte sich vor.<br />
“Klar”, sagte er, “ich bin ein Pornostar, und ich steh auf kleine Jungs wie euch. Und ich weiß, dass du”, er schaute dem größeren Jungen direkt in die Augen, “auf richtige Männer wie mich stehst.”<br />
Eine halbe Stunde später machte er Mittagspause. Er schlenderte durch das kleine Einkaufszentrum, und stellte fest, dass er zwei Möglichkeiten hatte. Entweder “Olle´s Eck”, in dessen Schlummerlicht er die angebotenen Buletten oder Bratwürste – beides wahlweise mit Kartoffelsalat – nicht deutlich genug erkennen würde, um davon Abstand zu nehmen, oder die “Istanbul Plaza”, die viel heller war und ein breiteres Nahrungsangebot hatte, in der sich aber auch Kinder und schnatternde Teenager befanden. Bier konnte man dort auch bekommen, und er hatte Hunger. Er betrat das Lokal, bestellte einen Döner Teller und ein Bier und setze sich in die Ecke, die dem Eingang am weitesten entlegen war. Nachdem er aufgegessen hatte, bestellte er ein weiteres Bier, dann noch eins. Er duckte sich, als er das junge Mädel im blauen Kittel an der “Plaza” vorbeilaufen sah, und als sie kurze Zeit später am Eingang stehen blieb und den Blick über die Tische schweifen ließ. Als er sich wieder aufrichtete, flatterte ihm ein Zettel entgegen, der sich von der Fensterscheibe, an der er saß, gelöst hatte. Er hob ihn auf und las.<br />
NUR HEUTE! DIE GROßE SCHLAGERLEGENDE MAX MILLI ZU GAST IM WINDMÜHLENCENTER! SIGNIERSTUNDE 13 UHR!<br />
Er schaute auf die Uhr. Es war spät geworden, und die Windflügel drehten sich schon lange nicht mehr.</p>
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		<title>Liebe lieber elitär</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 00:39:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zwischen-agnieszka</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinz]]></category>
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		<description><![CDATA[Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Liebe Lieber Elitär. In unserer letzten Folge sind liebeshungrige Lustmolche und schwerfällige Schmalzbegierige, überforderte Fünffachmütter und posttraumatische Psychologen aufeinander getroffen. Sie alle suchen nach dem großen Glück, nach der großen Liebe und wir sind mit dabei, um ihnen dabei unter die Arme zu greifen. In der [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=zwischenworte.wordpress.com&amp;blog=19651293&amp;post=83&amp;subd=zwischenworte&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von <em>Liebe Lieber Elitär</em>. In unserer letzten Folge sind liebeshungrige Lustmolche und schwerfällige Schmalzbegierige, überforderte Fünffachmütter und posttraumatische Psychologen aufeinander getroffen. Sie alle suchen nach dem großen Glück, nach der großen Liebe und wir sind mit dabei, um ihnen dabei unter die Arme zu greifen. In der heutigen Folge begleiten wir ein Paar, dem zum Glück nur die Liebe fehlt, und die könnte schon bald in Erfüllung gehen.<br />
<span id="more-83"></span><br />
Die nervenerprobte Neurochirurgin Nicole sucht schon seit langem nach dem perfekten Partner fürs Leben. Bis jetzt hatte die konsequente Kinderverweigerin wenig Glück.<br />
„Die meisten Männer verschwanden in der grauen Masse.“<br />
Auch der flotte Finanzmanager Friedrich träumt von der großen Liebe. Bei dem <em>Liebe Lieber Elitär</em>-Kennenlernabend vor einer Woche sind sich die beiden näher gekommen. Ob der humpelnde Hobby-Golfer die anspruchsvolle Ärztin auf Dauer stimulieren kann, wird sich nun zeigen. Der betuchte Bartträger hat seine Auserwählte in seine Villa am Starnberger See eingeladen. Doch schon der Beginn der Reise scheint unter einem schlechten Stern zu stehen – die selbstsichere Studierte hat aus Versehen ein Flugticket für die Economy-Class gekauft. Die Umbuchung auf die first class dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen, ob die realitätsferne Rätsel-Liebhaberin rechtzeitig in den Flieger steigen kann?<br />
Währenddessen bereitet der 45-jährige Kapitalkläffer sein Zweitheim für die Ankunft der Angebeteten vor. Auf so einem großen Anwesen lässt sich der windige Weltenbummler gern dabei helfen.<br />
„Ich habe hier sechs Hausmädchen, aus Kenia, Russland und Brasilien. Ich hatte auch mal eine Polin, aber die war ineffizient beim Bettenmachen.“<br />
Für seine Nicole hat sich der einfühlsame Einlocher etwas ganz Besonderes ausgedacht. Unter freiem Sternhimmel direkt am Starnberger See will er die ehrgeizige Einsiedlerin mit Champagner und einem vom preisgekrönten Sterne-Koch zubereitetem Menü überraschen. Musiker des Wiener Orchesters sollen für die richtige Stimmung sorgen. Jetzt kann die gestresste Gehirnfanatikerin kommen. Doch hat sie es geschafft, ihren Willen am Flughafen durchzusetzen? Sie hat. Die verwöhnte Vierzigjährige versinkt im First class-Sessel und frönt ihrer Vorfreude auf das Wiedersehen mit einem Glas Martini. Was erhofft sich die privilegierte Penthouse-Besitzerin von der Woche mit ihrem Feinzwirn-Friedrich?<br />
„Ich freue mich auf die freie Zeit&#8230; mit Friedrich. Bei meinem Beruf ist es wichtig, dass ich mich hin und wieder entspannen kann, das kann ich am besten beim Reiten. Ich weiß, dass Friedrich derselben Leidenschaft frönt und hoffe, dass wir in diesen Tagen dazu kommen.“<br />
Während die frivole Vollfrau sich die Flugzeit mit einem weiteren Drink versüßt, erzählt der kapriziöse Cabriolet-Fahrer am Starnberger See von seinen Sehnsüchten.<br />
„Ich habe eine Villa, zwei Häuser, eine Stadtwohnung, zwei Porsche, einen Maserati und eine Yacht. Was mir fehlt, ist eine Vertrauensperson. Ich habe mir einen ersten Eindruck von Nicole machen können und ich glaube, diese Investition lohnt sich.“<br />
Der großkotzige Geizkragen will gerade eine Runde um sein Anwesen drehen, um noch mal alles für die Ankunft Nicoles zu überprüfen, als plötzlich unerwarteter Besuch erscheint. Nachdem er uns darum gebeten hat, seine Privatsphäre zu respektieren, filmen wir aus einer gewissen Entfernung, wie der selbstgerechte Schaumschläger die Steuerfahnder in seine Unterkunft bittet. Derweil ist sein Gast am Zielflughafen angekommen. Nachdem sich der kleingeistige Krankenhausdrachen Mut angetrunken hat, ist sie bereit für das Abenteuer Liebe. Am Flughafenausgang erwartet sie schon der charmante Chauffeur Manfred und begleitet die torkelnde Taschensammlerin zu der Limousine. Nicole wittert eine Chance, mehr über ihren Friedrich zu erfahren. Sie macht es sich auf der Rückbank bequem und fragt den feschen Fünfundzwanzigjährigen hinter dem Steuer aus.<br />
„Friedrich. Ist der eher Herz oder Plastik?“<br />
Der feurige Fahrer scheint von der Frage überfordert. Doch Nicole hat sich vorgenommen, nicht locker zu lassen. Um die Frage verständlicher zu machen, lüftet die schamlose Schachfigurendikatatorin ihr Oberteil. „Herz oder Plastik?“<br />
Auf dem Anwesen herrscht derweil eine aufgeladene Stimmung. Dem tobenden Treasurer ist es zwar gelungen, die ungebetenen Gäste loszuwerden, doch in Anbetracht der baldigen Ankunft Nicoles ist der reiche Rotweilerbesitzer ganz schön aufgeregt.<br />
„Ich bin so geladen, da muss ich entgegenwirken, sonst wird die Konferenz mit Nicoles ein Fiasko.“<br />
Mit zitternden Knien lässt sich der gegeelte Glattlederträger von einer seiner Bediensteten  in die Sauna begleiten.<br />
Zehn Minuten später steht der stramme Schlips-träger Friedrich schon wieder vor dem Villeneingang, um die Reise-erschöpfte Rollkofferschnäpfe gebührend zu empfangen. Noch ein wenig schüchtern begrüßen sich die beiden Liebebedürftigen mit einem Händedruck, dann zeigt Friedrich seiner Auserwählte sein Reich, das sie vielleicht schon bald mit ihm teilen wird. Die naturbrünette Nymphomanin ist sichtlich angetan von dem ausuferndem Stil des firlefanzigen Finanzdienstlleisters, besonders begeistert zeigt sie sich von dem großen Himmelbett in ihrem Schlafzimmer. Als Friedrich ihr etwas Privatsphäre gönnt, damit sie sich für den romantischen Abend frisch machen kann, lässt sich die infusionierte Intensivmedizinerin mit Freude in die Satin-Bettwäsche fallen. Die Aufregung war wohl zu groß.<br />
Wie die gemeinsame Woche des maulenden Mitvierzigern mit Mutterkomplex und der trunkene Tunika-Trägerin weitergeht und ob die beiden bald schon gemeinsam unter dem Sternenhimmel reiten, sehen Sie in der nächsten Folge von <em>Liebe Lieber Elitär</em>.</p>
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		<title>Häkeln</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 00:34:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zwischen-agnieszka</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Und wenn sie sich auf den Kopf stellt, sie kriegt es nicht hin. Häkeln ist ihre Sache nicht, auch nicht Stricken und nicht Nähen. So sehr sie es will, immer fallen die Maschen raus, die Nadeln piksen in die Finger, die Naht wirkt wie die Spur eines Betrunkenen, der durch die Straße schwankt. Kochen kann [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=zwischenworte.wordpress.com&amp;blog=19651293&amp;post=81&amp;subd=zwischenworte&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und wenn sie sich auf den Kopf stellt, sie kriegt es nicht hin. Häkeln ist ihre Sache nicht, auch nicht Stricken und nicht Nähen. So sehr sie es will, immer fallen die Maschen raus, die Nadeln piksen in die Finger, die Naht wirkt wie die Spur eines Betrunkenen, der durch die Straße schwankt. Kochen kann sie, aber das bringt nichts. Großmutter kann nicht zu ihr zum Essen kommen, und sie kann nicht kochen dort, wo Großmutter ist. In Großmutters Wohnung wimmelt es von warmem dunklem Holz, und auf beinahe jeder Ablage, sei es Tisch, Kommode oder  Regalbrett, liegt ein gehäkeltes oder gestricktes Tüchlein, ein besticktes Deckchen oder ein geknoteter Untersetzer.<br />
“Mach doch mal sowas”, hatte ihre Mutter gesagt, “mach doch mal was Gehäkeltes.”<br />
<span id="more-81"></span><br />
Und als Christine den Mund verzog, kräuselten sich auch die Lippen ihrer Mutter. “Deine Oma mag sowas doch, siehst du doch, nun mach ihr doch die Freude, so schwer wird das doch wohl nicht sein.”<br />
Da hat sich Christine zusammen gerissen und fing an zu häkeln. Und das war nichts. Die Maschen huschen weg, oder sie sind nicht gleich groß oder es ist ein Knoten drin. Nix da, denkt sich Christine. Doch dann ruft ihre Mutter wieder an und sagt, der Arzt hätte dieses gesagt, der Arzt hätte jenes gesagt, und die Oma, die schaue gar nicht gut aus, und wie laufe es denn mit dem Häkeln? Und dann setzt sich Christine wieder ran und pikst sich in die Finger und versucht die Löcher zu übersehen, die die Häkelnadeln in ihrem Pullover hinterlassen, wenn sie mit ihnen darin hängen bleibt. Hin und wieder flucht sie leise vor sich hin, hin und wieder laut, dann denkt sie an die Großmutter, die im Bett liegt und nicht raus kann – wird sie jemals wieder wird raus kommen können – und an die Ärzte und an die Mutter und sie schließt die Finger um die Nadeln, drückt sie so heftig zusammen, dass sie sie kaum bewegen kann und ihre Augen sehen nur noch den Wollfaden, sehen nur noch Masche und Masche und Masche&#8230;<br />
Zeit für eine Pause, denkt Christine und schenkt sich ein Glas Wein ein, und dann denkt sie daran, wie sie Großmutter von ihrer Reise nach Prag erzählt hatte, und ihre Großmutter hatte eine Flasche tschechischen Schnaps auf den Tisch gestellt, auf einen der gestrickten Untersetzer, und mit einem Augenzwinkern, das sich immer wiederholte, weil ihre Nerve nicht mehr ganz so mitspielten, gesagt hatte:<br />
“Na, jetzt will ich aber alle Einzelheiten hören. Es gab doch Einzelheiten?”.<br />
Und als Christine daran denkt, nimmt sie die Nadeln wieder zur Hand, in Gedanken wiederholend, dass der Wille stärker ist, und das Blut&#8230;<br />
Sie trinkt vom Wein, führt den Faden und&#8230; wieder eine Masche verloren. </p>
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		<title>Fremdwort</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 00:22:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zwischen-agnieszka</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er schwitzt. Vielleicht bemerken das die anderen nicht, so hofft Bernd, aber er selbst merkt es. Er schwitzt, und bald werden sich auf seinem Gesicht kleine Tröpfchen bilden und dann hinunter kullern, vielleicht bleibt eines auf seiner Nasenspitze hängen, das wäre furchtbar. Schon bei den einfachen Fragen fing das an. Was steuern Verliebte oft an? [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=zwischenworte.wordpress.com&amp;blog=19651293&amp;post=79&amp;subd=zwischenworte&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er schwitzt. Vielleicht bemerken das die anderen nicht, so hofft Bernd, aber er selbst merkt es. Er schwitzt, und bald werden sich auf seinem Gesicht kleine Tröpfchen bilden und dann hinunter kullern, vielleicht bleibt eines auf seiner Nasenspitze hängen, das wäre furchtbar. Schon bei den einfachen Fragen fing das an.<br />
<em>Was steuern Verliebte oft an? A:  Kinderstadt B: Steuerbahnhof. C: Ehehafen. D: Scheidungsweg. </em><br />
<span id="more-79"></span><br />
Er wusste die Antwort, natürlich wusste er sie – aber er glaubte nicht daran.<br />
“Ich kann nicht”, hatte sie gesagt. Obwohl sie sonst alles konnte. “Du bist kein Mann zum Heiraten”, hatte sie gesagt, und dass er es doch eigentlich gar nicht wolle.<br />
Bernd hat mit der Wimper gezuckt und die Antwort gegeben, der sich alle im Publikum so sicher waren. Und jetzt schwitzt er wieder. Unschön ist das. Wasser geben sie hier einem zu genüge, aber ein Tuch? Ein Tuch, mit dem man sich den Schweiß von der Stirn abwischen kann, das kriegt man hier nicht. Vielleicht wird er ja nachgeschminkt? Vielleicht merkt das einer, dass er schwitzt, und dann kommt jemand mit einer Puderdose herbei gerauscht und tupft etwas von dem Staub auf sein Gesicht. Wie er wohl aussieht jetzt? Wie ein Toter vielleicht, wie eine Wachsfigur, bleich und glänzend. Wie er später mit dem Puder aussehen wird? Unnatürlich, braun, matt, zweidimensional, und dann wird er wieder schwitzen und die Schminke wird zerlaufen und dann sieht er wieder wie ein Toter aus, wie die Leiche seines Onkels, damals. Die Leiche seines Onkels im Sommer bei 30 Grad, und wie die Schminke zerlief und wie das Gesicht aufgeplustert schimmerte.<br />
&#8222;Sie wissen ja, von mir aus könnten wir hier bis zum nächsten Morgen sitzen, ich habe ja Zeit, aber das wäre den anderen gegenüber nicht ganz fair.&#8220; Der Moderator grinst ihn an. Der hat es gut, der muss nicht schwitzen, muss der jemals schwitzen? Der weiß ja alles vorher, und Geld hat er auch, genug. Was war noch mal die Frage?<br />
<em>Welches dieser aus dem Griechischen stammenden Begriffe bedeutet Heiterkeit?</em><br />
Diese Frage kann er doch mit Sicherheit auch beantworten, er muss sich nur konzentrieren.<br />
<em>A: Euthanasie. B: Eutopie. C: Euthymie,  oder D: Eubulie.</em><br />
Euthanasie. Beinahe lacht er laut auf. Konzentriere dich, Bernd. Schule, Griechischunterricht mit Blubart, der mehrmals die Treppe herunter gefallen war, so besoffen war er gewesen. Bis er dann rausgeschmissen wurde, aber von ihnen hatte ihn keiner verpfiffen, so einen wie Blubart verpfeift man nicht. Was war noch das andere? “Eutopie&#8230;”,  murmelt er vor sich hin. Das wollte er eigentlich nicht tun. Die kleine Blonde hinter den Kulissen hat gesagt: “Sitzen Sie nicht einfach so dar, Sie müssen schon etwas sagen, oder tun, sonst ist das zu&#8230;langwierig, Sie verstehen. Wenn Ihnen nichts einfällt, dann denken Sie einfach laut. Denken Sie daran: immer laut denken, ja? So, und nun viel Spaß, bleiben Sie locker.”<br />
Er fühlt wie die Feuchtigkeit sich unter seinen Armen ausbreitet. Eutopie&#8230; Was war das noch mal?<br />
“Was war das noch mal?” hört er sich laut wiederholen. Er schaut dem Moderator in die Augen. &#8222;Jaaa&#8220;, sagt der Moderator, &#8222;ich würde Ihnen ja gern helfen&#8230;&#8220;<br />
Helfen, denkt Bernd, helfen&#8230; Euthymie, Euthymie&#8230;Eu&#8230;Thymie&#8230; EU. Europäische Union, denkt Bernd, gegründet 1992, Maastrich,  derzeitiger Ratsvorsitzender José Barroso. Thymie, denkt Bern, Thym&#8230; Thymian. Lippenblütengewächs, Heilpflanze. “Heilen”, murmelt er.<br />
&#8222;Ich gebe Ihnen noch zehn Sekunde&#8220;, sagt der Moderator.<br />
<em>Zehn, neun..</em>.<br />
&#8222;Acht!&#8220; kommen die ersten Stimmen aus dem Publikum. Wieso müssen sie das immer tun, denkt Bernd. Wieso müssen sie immer mitgröllen, wieso lachen sie bei schlechten Witzen und klatschen immer mit zum Takt?<br />
&#8222;Sechs!&#8220;<br />
Was war noch mal das letzte? Eubulie. Buli&#8230;mie. &#8222;Nein&#8220;,  murmelt Bernd, aber niemand hört ihn.<br />
&#8222;Vier!&#8220;<br />
Er weiß es, Bernd weiß es.<br />
&#8222;Drei!&#8220; brüllt das Publikum.<br />
“C!” ruft Bernd.<br />
<em>Zwei! </em><br />
“Es ist C! Euthymie! Euthymie!”<br />
Er schmilzt, er hat das Gefühl, sich aufzulösen. Bei der nächsten Frage steigt Bernd vom Stuhl.<br />
&#8222;Aber Sie haben noch den Telefon-Joker!&#8220;<br />
Er will ihn nicht benutzen. Wen könnte er schon anrufen? Er steigt vom Stuhl und verlässt das Studio. Er wird sich jetzt einiges leisten können. Euthymie. Er weiß, was es bedeutet. Er müsste sich freuen.</p>
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		<item>
		<title>Ertappt</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 00:00:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zwischen-agnieszka</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Ist das schön! Ist das nicht schön?“ Er nickt. „Ja, das ist schön.“ „Und das Essen? Hat es dir geschmeckt?“ „Sehr gut.“ Sie lächelt zufrieden und läuft in die Küche, um Kerzen zu holen. So schön ist es, da müssen ja Kerzen auf den Tisch. Er war ja etwas abwesend in letzter Zeit, sie hatte [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=zwischenworte.wordpress.com&amp;blog=19651293&amp;post=72&amp;subd=zwischenworte&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Ist das schön! Ist das nicht schön?“<br />
Er nickt.<br />
„Ja, das ist schön.“<br />
„Und das Essen? Hat es dir geschmeckt?“<br />
„Sehr gut.“<br />
Sie lächelt zufrieden und läuft in die Küche, um Kerzen zu holen. So schön ist es, da müssen ja Kerzen auf den Tisch. Er war ja etwas abwesend in letzter Zeit, sie hatte sich schon Sorgen gemacht. Immer später kam er nachhause, das kam ihr schon verdächtig vor. Man hört ja so einiges. Von Inge zum Beispiel.<br />
„Hast du schon gehört?“<br />
<span id="more-72"></span><br />
„Was denn?“<br />
„Die Inge. Also, der Walter, der hat die Inge verlassen.“<br />
„Ach was?“<br />
„Ja, für eine Jüngere. Dabei ist die Inge doch erst fünfundvierzig.“<br />
„Ach was?“<br />
„Ja.“<br />
Sie gießt ihm Wein nach und setzt sich dann zu ihm auf das Sofa.<br />
„Jetzt fühlt sich die Inge so alt. Dabei ist das doch nicht alt.“<br />
„Nein.“<br />
„Naja, man muss eben ein wenig auf sich achten. Du arbeitest ja auch zu viel.“<br />
„Na ja, du weißt ja.“<br />
„Was machst du denn da überhaupt so lange?“<br />
„Na, arbeiten. Du, da machen ja alle Überstunden. Das ist eben so.“<br />
„Also, ich weiß nicht. Kann man das denn nicht tagsüber?“<br />
Er schüttelt mit dem Kopf.<br />
„Und die Frauen?“<br />
„Welche Frauen?“<br />
„Na, die Frauen im Büro, da sind doch auch Frauen?“<br />
„Ja. Und?“<br />
„Arbeiten die denn auch so lange?“<br />
„Wenn es sein muss.“<br />
&#8222;Unglaublich&#8230;&#8220;<br />
Dass solche Frauen nicht verlassen werden, aber die Inge, das ist schon ein Ding. Aber die hat sich ja schon ein wenig gehen lassen. Und graue Haare hat sie bei Inge gesehen, das muss ja nun nicht sein.<br />
„Also, ich war auch fleißig heute“, sagt sie.<br />
„So?“<br />
„Ja, Du glaubst gar nicht, wie anstrengend es ist, sich durch den Markt zu kämpfen.“<br />
„Die Märkte spielen doch alle verrückt.“<br />
„Also, auf dem Bio-Markt, da kann man kaum durch kommen. Überall Kinder und Frauen und ein Pferd ist da auch noch.“<br />
„Ach?“<br />
„Ja, für die Kinder, aber riechen tut das.“ Sie nimmt einen Schluck.<br />
„Und die jungen Dinger, die da herum laufen.“ Sie schaut ihn verstohlen an, erkennt aber keine Reaktion. „Und du hast nichts davon gewusst?“<br />
„Wovon?“<br />
„Na, von Inge. Der Walter hat dir nichts erzählt?“<br />
„Nein.“<br />
„Der soll jetzt so eine Junge haben. Wahrscheinlich denkt er, sie macht auch ihn jünger. Pfft.“<br />
Sie fährt sich mit der Hand durch die Haare.<br />
„Komisch ist das.“<br />
Er schnazt mit der Zunge.<br />
„Ist noch Wein da?“<br />
„Also, das so eine Junge ihn überhaupt haben will. Der hat ja keine Haare mehr auf dem Kopf.“<br />
„Na, ich ja auch nicht.“<br />
„Eben. Du hast ja auch keine, also, naja, du hast ja schon eine Frau. Eine junge Frau.“<br />
„Jaaa.“<br />
„Findest du, dass ich alt aussehe?“<br />
„Was?“<br />
„Naja, also, ich bin ja auch keine zwanzig mehr. Aber alt sehe ich doch nicht aus, oder? Also, nicht wie die Inge.“<br />
Er bläst die Wangen auf.<br />
„Nein, wie die Inge siehst du wirklich nicht aus.“<br />
„Sehr witzig.“<br />
„Ach, komm.“<br />
Er legt den Arm um sie, sie lässt sich besänftigen und legt den Kopf auf seine Schulter.<br />
„Ich meine ja nur, würde dir eine jüngere Frau gefallen?“<br />
Sie hebt den Kopf und schaut ihn an.<br />
„Ach was.“<br />
Sie will sich wieder an ihn schmiegen, da entdeckt sie etwas auf seinem Jackett.<br />
„Nein!“<br />
Sie springt auf, setzt sich wieder und betrachtet den Fund.<br />
„Was ist?“<br />
Er wendet den Kopf hin und her.<br />
„Da“, sagt sie mit weinerlicher Stimme und zeigt auf seinen Kragen.<br />
„Was ist denn da?“ Er schüttelt sich.<br />
„Halt doch mal still!“<br />
Sie formt ihre Finger zu einer Pinzette und greift nach etwas an seinem Hals.<br />
„Hier!“<br />
Sie hält ihm die Finger hin.<br />
„Ich sehe nichts. Was soll denn da sein?“<br />
„Na, hier! Ein Haar!“<br />
„Was? Ich sehe nichts!“<br />
„Ein graues Haar!“<br />
„Ach, Liebchen, das ist doch&#8230;“<br />
„Lüg nicht! Ich sehe es doch!“<br />
„Das hat doch nichts zu bedeuten.“<br />
„Es ist nicht von mir! So lange Haare hab ich gar nicht!“<br />
„Was?“<br />
„Es kann nicht von mir sein. Sag mir, dass es nicht meins ist!“<br />
Er holt tief Luft.<br />
„Du hast Recht, es ist nicht von dir.“<br />
„Gott sein Dank!“<br />
Sie atmet erleichtert auf.<br />
„Dann hole ich jetzt das Dessert.“</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://zwischenworte.wordpress.com/category/hinz/'>Hinz</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/zwischenworte.wordpress.com/72/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/zwischenworte.wordpress.com/72/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/zwischenworte.wordpress.com/72/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/zwischenworte.wordpress.com/72/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/zwischenworte.wordpress.com/72/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/zwischenworte.wordpress.com/72/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/zwischenworte.wordpress.com/72/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/zwischenworte.wordpress.com/72/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/zwischenworte.wordpress.com/72/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/zwischenworte.wordpress.com/72/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/zwischenworte.wordpress.com/72/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/zwischenworte.wordpress.com/72/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/zwischenworte.wordpress.com/72/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/zwischenworte.wordpress.com/72/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=zwischenworte.wordpress.com&amp;blog=19651293&amp;post=72&amp;subd=zwischenworte&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Nicht schlimm</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Nov 2011 23:58:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zwischen-agnieszka</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunz]]></category>
		<category><![CDATA[2009]]></category>

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		<description><![CDATA[Das macht nichts, ist nicht schlimm. Die kleine Schramme – tut nicht weh. Dieser blaue Fleck hier? Hingefallen, merkt sie kaum noch. Sie ist so ein Tolpatsch, immer stößt sie sich irgendwo, immer lässt sie Gläser fallen und schneidet sich an den Scherben. Am Rücken? Das ist vielleicht eine Geschichte, fast schon komisch, fast schon [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=zwischenworte.wordpress.com&amp;blog=19651293&amp;post=70&amp;subd=zwischenworte&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das macht nichts, ist nicht schlimm. Die kleine Schramme – tut nicht weh. Dieser blaue Fleck hier? Hingefallen, merkt sie kaum noch. Sie ist so ein Tolpatsch, immer stößt sie sich irgendwo, immer lässt sie Gläser fallen und schneidet sich an den Scherben. Am Rücken? Das ist vielleicht eine Geschichte, fast schon komisch, fast schon peinlich, ja.<br />
<span id="more-70"></span><br />
Tee wollte sie sich machen, und die Kanne ist zersprungen als sie sie hochhob – daher auch der Verband auf der linken Hand – und sie rutschte aus und landete auf den Scherben, und da haben sich dann einpaar davon in ihren Rücken gebohrt, es geht jetzt wieder. Ist nicht schlimm. Und wie sie sich geärgert hat, weil die neue Bluse hin war, die neue Bluse, die sie so schön fand und sie kauft ja nicht oft etwas für sich, muss auch nicht, aber diese Bluse, die wollte sie so gern haben. Und dann musste sie sie wegschmeißen. Dietrich? Der hat sich Sorgen gemacht, natürlich. Immer sagt er ihr, sie solle aufpassen. Manchmal lacht er über sie, aber sie lacht ja auch, ist ja auch komisch, so ein Tolpatsch. Da lacht man manchmal Tränen.<br />
Als sie klein war, war das schon so. Zehn Mal ist sie die Treppe runter gefallen, und gegen die Tür ist sie auch oft gelaufen und am Herd hat sie sich verbrannt, so ein unvorsichtiges Kind. Gebrochene Hand, gebrochene Rippen, blaue Augen, blaue Beine, blauer Rücken. Ihre Mutter hatte sich Sorgen gemacht, natürlich. Und der Vater, der hatte manchmal gelacht – wie soll man auch anders. “Du hast blaues Blut” sagte er und lachte. Er war ein guter Mann, natürlich, ein starker Mann, ein Mann war er, und leicht hatte er es nicht, nein. Und sie machte immer wieder etwas falsch, ja, viel Kummer hatte sie ihm bereitet, aber er hat sich um sie gekümmert, das hat er, so gut er konnte, so wie sich sein Vater um ihn gekümmert hat. Wie es seit Generationen in der Familie war, wie es eben so ist. Familie ist wichtig, ja. Kinder? Nein, eher nicht, nein, sie selbst will keine Kinder haben, nein, lieber nicht, sie ist doch so ein Tolpatsch&#8230;  sie könnte das Kind fallen lassen.<br />
Und arbeiten muss sie doch auch. In der Kneipe drüben, da arbeitet sie, was kann man da sagen&#8230;die Arbeit ist nicht schlimm, nein. Jeder will doch mal was trinken, sagt Dietrich immer, da ist das doch gut, so eine Arbeit, und immer etwas los, jeder trinkt doch mal. Sie selbst nicht, nein, wenn man den ganzen Tag Leuten zu trinken gibt, da hat man doch genug davon, wie wenn man in einer Schokoladefabrik arbeitet, da will man später bestimmt auch keine Schokolade mehr. Jetzt muss sie aber kochen, Dietrich kommt bald heim, da muss er was Warmes auf dem Teller haben, ist ja auch wichtig so eine warme Mahlzeit. Und aufpassen muss sie, damit sie nicht wieder etwas falsch macht, damit sie nicht wieder stolpert und sich an der Tischkante stößt oder den Arm gegen die heiße Herdplatte lehnt. Konzentrieren muss sie sich, kochen wenn sie kocht und zuhören wenn Dietrich etwas sagt, der sagt ja manchmal so wichtige Sachen, da muss sie zuhören, lernen muss sie. Lernen ist wichtig, ja.<br />
Nächste Woche ist ihr Geburtstag, da würde sie gern zum Frisör gehen, sich etwas hübsch machen, die Haare sehen ja nach nichts aus, aber sie weiß noch nicht. Dietrich gefällt sie so wie sie ist, das ist doch schön, wenn man einem so gefällt, wie man ist. Und eine neue Bluse würde sie sich gern kaufen, aber dann geht die vielleicht auch wieder kaputt, schade um das Geld wär es dann.  Dietrich will ein paar Freunde einladen zu ihrem Geburtstag, das wird bestimmt lustig, vielleicht kommt auch eine der Frauen, die sie kennt, dann hat sie Hilfe und wird bestimmt nicht stolpern.  Vor einem Jahr hat sie ihren Geburtstag woanders verbracht, Urlaub sozusagen, viel laufen konnte sie nicht, aber sie hat sich etwas ausgeruht, hat Dietrich ihr geschenkt, den Urlaub, wie nett das von ihm war. Aber Dietrich ist nicht gern allein, er ist immer froh, wenn sie wieder zuhause ist, wenn er ihr etwas beibringen kann, wenn er ihr sagen kann, dass er sie so mag, wie sie ist. Wie sie schon immer war, wie es seit Generationen in der Familie war, wie es eben so ist.  Manche Dinge ändern sich nie, das ist doch nicht schlimm, nein. Ist nicht schlimm.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Starting a religion</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Nov 2011 23:51:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zwischen-agnieszka</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinz]]></category>
		<category><![CDATA[2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Glaube scheint zu den Bedürfnissen der menschlichen Spezies zu gehören. Menschen glauben an die Wissenschaft, an Geld, an Außerirdische, Wunder und Engel. Sie glauben anderen Menschen, die ihnen erzählen, sie seien Propheten und hätten in der Jauchegrube hinter dem Haus die neuen Gebote gefunden. Mit dem Bedürfnis der Menschen nach Glauben, lässt sich nebenbei ein [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=zwischenworte.wordpress.com&amp;blog=19651293&amp;post=67&amp;subd=zwischenworte&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Glaube scheint zu den Bedürfnissen der menschlichen Spezies zu gehören. Menschen glauben an die Wissenschaft, an Geld, an Außerirdische, Wunder und Engel. Sie glauben anderen Menschen, die ihnen erzählen, sie seien Propheten und hätten in der Jauchegrube hinter dem Haus die neuen Gebote gefunden. Mit dem Bedürfnis der Menschen nach Glauben, lässt sich nebenbei ein hübsches Sümmchen verdienen. Hier einige Tipps zur Gründung einer neuen Religion:<br />
<span id="more-67"></span><br />
1. Sie können den Menschen eine beliebige, noch so hirnrissige Geschichte auftischen, wenn Sie dabei seriös auftreten. Ungepflegtheit mindert Ihren Erfolg.<br />
Ja, Jesus hatte wie ein Hippie ausgesehen, aber das taten damals alle, lassen Sie sich davon nicht beeinflussen. Sind Sie ein Mann, schneiden Sie sich die Haare. Sind Sie eine Frau, rasieren Sie sich die Beine und tragen Sie kurze Röcke. </p>
<p>2. Wenn Sie es schaffen, eine bekannte Persönlichkeit für Ihre Idee zu begeistern, haben Sie den Erfolg so gut wie in der Tasche.<br />
Da weder George Clooney noch Madonna auf meine Briefe reagiert haben, habe ich Klaus Wowereit angefragt, der ist ja sonst für jeden Spaß zu haben, ich harre nun der Antwort, aber ich bin sicher, der Wowi, der macht das. </p>
<p>3. Erzählen Sie den Menschen das, was sie hören wollen.<br />
Im Grunde können Sie sich auf einen dieser Sätze beschränken: „Ich habe eine Botschaft für Sie, die Ihr Leben verbessern wird!“, „Gott liebt Sie“ oder „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!“</p>
<p>4. Der Gott, den Sie vorstellen, sollte das Wohl der Menschen im Sinn haben – kaum jemand wird sich mit Tat und finanzieller Unterstützung für ihre Idee einsetzen, wenn Sie den Menschen sagen, sie würden dadurch Qualen leiden.<br />
	Sagen Sie zum Beispiel: Höret die frohe Botschaft, die ich als bescheidener Stellvertreter zu 	verkünden habe: Der Gott Adalbert wird Eure Qualen beenden. Denn der Gott Adalbert liebt 	die Menschen und wird sie aus dem Dunkeln ins Licht führen.</p>
<p>5. Qualen leiden immer die, die sich Ihrer Idee widersetzen.<br />
	Wenn Ihnen also einer dumm kommt, sagen Sie: Doch wehe dem, der ungläubig den Namen 	Adalberts mit den Füßen traktiert, der sich abwendet von der Heiligkeit seines Namens. Drei 	Mal wirst du leugnen, heißt es im Buch Satoros, und drei Mal wirst du Erbarmen finden, 	doch beim vierten Mal wird der Engel Stalaon auf dich hinab regnen in Feuer und Flamme 	und dein Heim wird verbrennen und mit ihm deine Kinder.</p>
<p>6. Seien Sie barmherzig: Jeder kann den Qualen entkommen, wenn er sich zu Ihrer Religion bekehrt.</p>
<p>7. Erfinden Sie für die Geschichte Ihrer Religion neue Namen, in denen „ph“, die Endungen „os“, „iten“ oder „lit“ vorkommen, das verleiht den Figuren eine gewisse Seriosität und flößt Respekt ein. Beispiele: der Engel Ronos, die bösen Libeliten, der Urvater Klitolit.</p>
<p>8. Neben der Gottheit sollten Sie weitere Figuren einführen, engelähnliche Wesen, Geister, Heilige – je komplexer, desto besser. Zum Beispiel:  der Engel Ronos, die bösen Libeliten, der Urvater Klitolit.</p>
<p>9. Erläutern Sie Ihre Religion möglichst verworren und unverständlich, achten Sie gleichzeitig auf eine gewisse Vielzahl möglicher Interpretationen.<br />
Der Herr Adalbert hat mich gefunden, mich, die ahnte, dass die Wesen, die ihr Götter nennt, keine Gottheiten sind, sie sind geschaffen vom bösen Engel Raschelos, der in eure Ohren Böses flüstert. Ich ahnte es, und doch war ich unwürdig, bis der Herr Adalbert mir seine Weisheit zuteil werden ließ in dem heiligen Bund der Petersilie. Ja, die Petersilie ist sein göttlich Zeichen, denn sie ist gut und sie ist Nahrung für den Körper und die Seele und sie gab es schon immer und ewig, wie es den Herrn Adalbert schon ewig gibt. Und in dem heiligen Bund der Petersilie sah ich die wahre Geschichte unseres Schöpfers und die Geschichte seiner Kinder. Denn aus den Wurzeln entstanden die Boreviten und sie lebten auf der Erde und sie waren gut. Alles Böse kommt von oben, und so fiel durch Raschelos, den Bösen, ein fauler Regen auf die Erde und machte einige der Boreviten, dass sie nach oben strebten, und sie wurden Libeliten und scherten sich nicht um das Recht der Wurzel, die da eint das Weib mit dem Weibe und mit dem Mann und dem Tier. Und ich glaubte, was ich sah, denn der Bund der Petersilie zeigte mir den Herren und euer soll er sein für ewig. Kadabra!</p>
<p>10. Es empfiehlt sich, den Menschen nicht nur Wohl auf Erden zu versprechen, sondern auch ein glückliches Leben danach. Vermeiden Sie es dabei, das Wort „Tod“ zu gebrauchen.</p>
<p>11. Treten Sie stets freundlich, aber bestimmt auf. Autorität ist geboten. Wenn Sie sich auf eine Diskussion mit einem blöden Besserwisser einlassen, bringen Sie ihn durch eine Bemerkung über seine Schuhe zum Schweigen, sagen Sie niemals: Ja, aber. Sagen Sie stets: Nein!</p>
<p>12. Zweifeln Sie niemals öffentlich an Ihrer Mission. Falls Sie zur Verantwortung gezogen werden, vergessen Sie nicht: Sie sind nur der Bote!</p>
<p>13. Vermeiden Sie es, Ihre Religion als eine gänzlich abgeschlossene zu propagieren. Halten Sie sich immer ein Hintertürchen offen, zum Beispiel in Form von fortlaufenden Offenbarungen oder neuen Funden – das können Artefakte sein, Steintafeln, Heiligenerscheinungen in Hundehaufen. Achten Sie dabei darauf, dass Sie der einzige sind, dem diese zuteil werden (können).</p>
<p>14. Achten Sie darauf, dass Ihre Religion zumindest oberflächlich mit dem Gesetz vereinbar ist. Sie können sich von Ihren Gläubigen Geld schenken lassen, aber sie nicht dazu anstiften, für Sie zu stehlen. Und unter keinen Umständen lassen Sie es zu, dass eventueller Kindesmissbrauch bekannt wird!</p>
<p>15. Lassen Sie sich nie bei einer Aktivität erwischen, die mit der Religion, die Sie propagieren, unvereinbar ist. Sehe oben. </p>
<p>16. Stellen Sie sich darauf ein, dass Ihnen auch Spott und Feindseligkeiten begegnen. In solchen Situationen ist die Einverleibung einer Opferrolle Ihrerseits von Vorteil. Diejenigen, die über Sie spotten, gehören sicherlich zu den bösen Libeliten, und sie werden in der Hölle schmoren. Wenn das nichts hilft, verwirren Sie die Spötter mit dem Ausdruck: Deine Mutter.</p>
<p>17. Starten Sie Projekte, die sich speziell um Jugendliche, Frauen und Familien kümmern, und reichen Sie bei den Treffen immer Bio-Obst. </p>
<p>18. Verfassen Sie ein Buch zu Ihrer Religion, sie wird es Ihnen danken.  </p>
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		<item>
		<title>Frau Niederkammer (Romanauszug)</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Nov 2011 23:17:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zwischen-agnieszka</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunz]]></category>

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		<description><![CDATA[Frau Niederkammer hat es am liebsten von hinten. Frau Niederkammer hat es am liebsten, wenn Herr Jankowitsch es ihr von hinten macht. Zumindest sagt sie das. Sie sagt, Herr Jankowitsch sei besser als Herr Meier, Herr Solinger und Herr Steiger. Das sagt sie zu Herr Jankowitsch und ich weiß, er glaubt ihr &#8211; ich tue [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=zwischenworte.wordpress.com&amp;blog=19651293&amp;post=56&amp;subd=zwischenworte&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Frau Niederkammer hat es am liebsten von hinten. Frau Niederkammer hat es am liebsten, wenn Herr Jankowitsch es ihr von hinten macht. Zumindest sagt sie das. Sie sagt, Herr Jankowitsch sei besser als Herr Meier, Herr Solinger und Herr Steiger. Das sagt sie zu Herr Jankowitsch und ich weiß, er glaubt ihr &#8211; ich tue es. Denn ich sehe es. Ich sehe wie Frau Niederkammer die Tür öffnet, wie sie die Lippen öffnet, wie sie die Augen öffnet. Herr Jankowitsch kommt dienstags. Dienstags sind ihre Augen am weitesten geöffnet.<br />
<span id="more-56"></span><br />
 Herr Jankowitsch wohnt zwei Häuser von Frau Niederkammer entfernt. Er ist Versicherungskaufmann, er arbeitet von zuhause aus. Herr Solinger ist Friseur, er beschäftigt sich mit Frau Niederkammer, während er arbeitet. Er macht Hausbesuche. Er kann gut mit seiner Zunge umgehen. Er und Frau Niederkammer begrüßen sich mit zwei Wangenküssen, dann macht Frau Niederkammer Espresso, während Herr Solinger sein Equipment auf den Frisiertisch ausbreitet. Rasierpinsel, Rasierschaum, kleine Schere, mittlere Schere, große Schere, gezackte Schere, Pinzetten, Bürsten, Kämme, Lockenwickler in allen erdenklichen Größen, Instrumente mit scharfen, gekrümmten Zangen. Frau Niederkammer nimmt einen Schluck aus ihrer winzigen Tasse, stellt sie auf den Nachttisch und sagt: „Heute hätte ich gern ein kleines Herz.“ Dann knöpft sie den Rock auf. Darunter trägt sie schwarze Strapse. Keine Unterwäsche. Sie setzt sich auf einen Stuhl und stellt ein Bein auf den Frisiertisch. Und dann geht es los. Herr Solinger kniet sich nieder und macht – das sagt er wirklich so – das Ausgangsmaterial weicher. Er bereitet es vor, damit er später ein Kunstwerk von einem Herz hinein schneiden kann. Er verteilt seinen Speichel zwischen den winzigen Härchen, die zwischen Frau Niederkammers Beinen wachsen. Und zwischendurch nimmt er einen winzigen Schluck aus der winzigen Espressotasse. Herr Solinger kommt donnerstags.</p>
<p>(Ein Auszug aus dem Roman &#8222;Bildwandler&#8220; AT) </p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://zwischenworte.wordpress.com/category/kunz/'>Kunz</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/zwischenworte.wordpress.com/56/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/zwischenworte.wordpress.com/56/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/zwischenworte.wordpress.com/56/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/zwischenworte.wordpress.com/56/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/zwischenworte.wordpress.com/56/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/zwischenworte.wordpress.com/56/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/zwischenworte.wordpress.com/56/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/zwischenworte.wordpress.com/56/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/zwischenworte.wordpress.com/56/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/zwischenworte.wordpress.com/56/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/zwischenworte.wordpress.com/56/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/zwischenworte.wordpress.com/56/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/zwischenworte.wordpress.com/56/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/zwischenworte.wordpress.com/56/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=zwischenworte.wordpress.com&amp;blog=19651293&amp;post=56&amp;subd=zwischenworte&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Quid pro Quote</title>
		<link>http://zwischenworte.wordpress.com/2011/02/18/quid-pro-quote/</link>
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		<pubDate>Fri, 18 Feb 2011 01:15:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>zwischen-agnieszka</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinz]]></category>
		<category><![CDATA[2011]]></category>

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		<description><![CDATA[„…Da hab&#8217; ich was Eigenes! Da hab&#8217; ich mein Jodeldiplom.…“ Ich, Frau, hab es verdödelt. Das Thema ist es ja in den Zeiten heutiger Kommunikationseile alter Käse. Andererseits – alter Käse war es ja schon vorher. Außerdem lasse ich mir als Frau doch das Jodeln nicht verbieten! Es heißt ja immer noch: Kinder und Fische [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=zwischenworte.wordpress.com&amp;blog=19651293&amp;post=50&amp;subd=zwischenworte&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>„…Da hab&#8217; ich was Eigenes!<br />
Da hab&#8217; ich mein Jodeldiplom.…“<br />
</em></p>
<p>Ich, Frau, hab es verdödelt. Das Thema ist es ja in den Zeiten heutiger Kommunikationseile alter Käse. Andererseits – alter Käse war es ja schon vorher. Außerdem lasse ich mir als Frau doch das Jodeln nicht verbieten! Es heißt ja immer noch: Kinder und Fische haben keine Stimme. Zumindest da, wo ich herkomme.<br />
Frauen also. Genauer: Frauen in Führungspositionen. Gibt es. Meine Tante Regine zum Beispiel hatte schon immer die Führung in ihrem Haus. „Lass das“, sagte sie ihrem Mann immerzu. „Mach dieses“, „Mach jenes“ und „Was machst du denn da?!“. Ach so, nicht im Haushalt? Wie, der gilt immer noch nicht als Arbeitsplatz? Ach, nur für die Hausfrau im eigenen Haus nicht? Wenn eine fremde Person in meinem Haus kocht, putzt, die Kinder erzieht und einkauft, dann ist es etwas anderes, dann ist es Arbeit, ach so. Na ja, zumindest ist das Schlafzimmer kein Arbeitsplatz, das gehört ganz mir. Ach, es ist ein Arbeitsplatz? Da geht jemand für Geld meinen ehelichen Pflichten nach? Hmm…<br />
<span id="more-50"></span><br />
Und wie hoch ist da die Frauenbeteiligung? Aha. Wie viele dieser Unternehmen werden denn von Frauen geleitet? Wie viele Unternehmen werden überhaupt von Frauen geleitet in diesem Land? Ohne die Begrenzung der DAX-Zugehörigkeit, bei dem wie viele Unternehmen gelistet sind? Drei… Dreißig Unternehmen! Holla, das ist aber mal, na, das ist doch eine Zahl. Was ist denn mit „Tines Haarpalast“ oder Brigittes Anwaltsbüro und „Virginias Yogatempel“ mit seinen 10 Filialen? Natürlich, das sind ja keine zig Millionen, die da erwirtschaftet werden. Zumindest nicht bei Tina allein.<br />
Komisch. Ich dachte immer, Mittelstand, dachte ich mir, Mittelstand, da sind alle für. Sagten ja alle. Aber vielleicht ist ja Mitte heute nicht gleich Mitte. Im liberalen Sinne heißt ja liberal auch nicht nur liberal.<br />
Aber wir waren ja bei Frauen. Quitte, äh&#8230; Quote. Geht es also um Leistung? Frauenleistung? Etwa die, die sich „wieder lohnen muss“? Seltsam, in vielen Positionen werden Frauen für die gleiche Leistung immer noch nicht gleich bezahlt wie ihre männlichen Kollegen. Wird sich das ändern, wenn sie in Führungspositionen aufsteigen? Ist Gleichberechtigung etwa nur in hohen Positionen der DAX-Unternehmen zu erreichen? Die Frage ist natürlich, ob diese Frauen tatsächlich in Führungspositionen aufsteigen und vor allem, ob sie es aus eigener Kraft schaffen, ohne politisch verordnete Hilfe. Schauen wir mal, ob die Maus das Labyrinth durchlaufen kann, zu dem großen Käsehaufen hin, ohne sich an den kleineren Krümeln aufzuhalten. Die bösen Krümel, die „Mama“ schreien oder „Frau, mach Essen“ oder auch „Ich bin reich und will mit dir durchbrennen“. Quid pro quo, sozusagen. (Eigentlich wollte ich „quasi“ schreiben, aber mein Mann ist da so eigen). Man munkelt ja, den Frauen gehe der Wille zur Macht abhanden. Da kennen die Leute aber meine Tante Regine nicht. Vielleicht sollte die mal in einer der großen Unternehmenszentralen auftauchen und denen da gehörig die Meinung jodeln. Aber es soll ja auch Frauen geben, die wollen gar nicht weiter aufsteigen. Und nicht nur solche, die nie außerhalb ihres Haushalts gearbeitet haben, sondern auch welche, die jahrelang das Brotgeld für sich und Familie in einer Firma besorgt haben. Na, ist das nicht unverschämt? Da will man denen was Gutes tun, und die schütteln den Kopf, die verwöhnten Gören. Keine Lust auf eine 70-Stunden-Woche, Kinder, die dich siezen und einpaar Affären im Jetlag? Wie langweilig, wie spießig! Ach, die Frauen. Sie sind mal wieder das Hauptthema – als ob das jemals anders gewesen wäre. Vielleicht sind die Männer ja beleidigt, dass nicht sie mal als Spezies in die Schlagzeilen kommen. Anstatt „Frauenquote“ zu sagen, könnte man ja auch „Männerausgleichsquote“ sagen. Vielleicht schmollen die Herren dann nicht mehr und lassen die Frauen auch mal so ran. Aber wie viele Frauen gibt es eigentlich, die für die geforderte Quote in den geforderten Positionen qualifiziert sind? Wie, Qualifikation ist egal? Hauptsache Frau? Also, wenn die Bezahlung stimmt, kann ich mir das durchaus vorstellen, so für ein Jahr oder so. Einen Sekretär wollte ich schon immer haben. </p>
<p>(2011)</p>
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